Buchempfehlung, Traumatherapie

Der Körper kennt den Weg

Das Praxisbuch über Traumaheilung und persönliche Transformation des Psychotherapeuten Johannes B. Schmidt mit dem Titel Der Körper kennt den Weg ist im besten Sinne humanistisch und klientenzentriert. Folgende Rezension gehört zu den beliebtesten auf Amazon, die ich geschrieben habe.

Manchmal sind Bücher wie fehlende Puzzlestücke: Puzzlestücke, die das Bild vervollständigen. Als Heilpraktiker für Psychotherapie befasse ich mich seit mehreren Jahren mit Aufstellungs- und Traumaarbeit. Ich teile die Erfahrung des Autors, dass Klienten ein Gegenüber auf gleicher Augenhöhe suchen; dass sie ihre Prozesse selbst gestalten wollen und müssen, um wirklich etwas zu verändern. Der Therapeut kann dafür den Raum und die benötigte Sicherheit geben. Er kann ein Begleiter sein, der einerseits mitfühlend ist, und andererseits aus eigener Erfahrung weiß, dass Transformation möglich ist. Die Heilung kommt schließlich von außerhalb. Weder Klient noch Therapeut können sie erzwingen. Schmidts Buch veranschaulicht, dass man dort, wo frühkindliches Trauma geschehen ist, bei der Körperwahrnehmung ansetzen muss, um Blockaden zu lösen und abgespaltene Anteile der Psyche zu integrieren. Zurecht betont er, wie behutsam man dabei vorgehen muss, um Dissoziation und Retraumatisierung zu vermeiden. Seine praktischen Beispiele aus der Aufstellungsarbeit, die er hier anschaulich beschreibt, haben mein Handwerkszeug erweitert.

Beeindruckend finde ich sein Menschenbild, das auf empathischer Zuwendung basiert, im besten Sinne humanistisch und klientenzentriert ist: ein Menschenbild, das die Dualität zwischen Körper und Seele, körperlich-selbstbestimmter Präsenz und empfangender Spiritualität aufhebt. Das Buch ist flüssig geschrieben und lässt sich meines Erachtens mit einer viel größeren Leichtigkeit und Unmittelbarkeit lesen als so manche deutsche Übersetzung englischsprachiger Werke zum selben Themenkomplex (SE/NARM). Im Gegensatz zu Franz Rupperts Büchern, der ebenfalls Aufstellungsarbeit und Traumaarbeit verbindet, legt Schmidt eindeutig den Schwerpunkt auf die praktische Traumabehandlung und Klientenbeziehung, während sich Ruppert mehr auf einer theoretischen Ebene bewegt, wo es vor allem um das Verständnis von Trauma und seinen Folgen geht. Ruppert versteht sich in erster Linie als Wissenschaftler auf der Suche nach einer universellen Theorie der Psychotraumatologie; Schmidt versteht sich als Traumatherapeut, der den individuellen Wahrnehmungsraum auf körperlicher und spiritueller Ebene öffnen will, um Heilung zu ermöglichen.